Überforderung Corona

Überfordert als Eltern in Coronazeiten, was kann dir helfen?

Du ruderst und ruderst in deinem Familienboot, aber kommst einfach nicht voran. Der Sturm der Corona-Pandemie raubt dir jede Kraft. Dir fehlt eine Betreuung deines Kindes in Kindergarten oder Schule, deinem Kind fehlen seine Freunde. Euer Familienboot wird in die falsche Richtung geweht. Du kommst von deinem Kurs ab. Auf einmal sind dort neue Aufgaben, die du gar nicht haben wolltest. Du musst im seichten Wasser deine Ruder von Seetang befreien. Du stocherst im Morast, um dein Boot voranzubringen. Du kommst noch schwerer voran und bist völlig am verzweifeln. Das Ruder rutscht dir aus der Hand. Dir fehlt die Kraft, dir fehlt die Vision, dir fehlt es einfach an allem. Du kapitulierst, gibst auf und lässt dich in deinem Lebensboot treiben. Alles andere wäre zu viel. Du bist so unendlich müde. Du schläfst und lässt dein Lebensboot machen, was es will. Und nun? Was passiert jetzt? Dein Boot dümpelt eine Weile im seichten Wasser vor sich hin. Dann, irgendwann wird es von einer Strömung erfasst und treibt wieder auf andere Gefilde zu. Es wird wärmer, die Sonne kommt hinter den Wolken hervor, sie wärmt dein Gesicht, lässt dich blinzeln. Du öffnest die Augen und bemerkst, dass du mit deinem Boot wieder im tiefen Wasser bist. Dein Lebensboot hat sich von selbst aus den eingefahrenen Fahrwassern befreit. Es hat sich aus dem alten stinkenden Morast des flachen Wassers befreit. Es hat sich weit von dem auf Hochglanz polierten Jachthafen mit all den unechten, oberflächlichen Lebensbooten entfernt. Jetzt ist es auf dem offenen Meer angelangt. Hier bist du frei. Hier ist alles möglich. Als dich gerade die Angst packen will, ob der unendlichen Weite, entdeckst du auf einmal die Segel deines Bootes. Du hast Segel auf deinem Boot und kannst mit dieser Unterstützung dorthin gelangen, wo du hin möchtest. Es gibt keine Grenzen. Und dann findest du auch noch ein Fernglas. Nun kannst du ferne Inseln, fernes Land sichten und dahin fahren, wo es dich hinzieht. Du denkst an deine vergangene Lebenssituation, in der du verzweifelt versucht hast, dein Boot zu lenken, verzweifelt versucht hast, zur nächsten Insel zu gelangen und du schließlich aufgegeben hast, du letztendlich deinem Lebensboot die Führung überlassen hast. Und dann schaust du dich voller Dankbarkeit auf deinem Lebensboot um. Du spürst die Sonne und den Wind, wirst angenehm nass gespritzt vom Fahrwasser, hast dein Fernrohr und ein Logbuch neben dir und fühlst in dir deine Kraft und Liebe. Was für ein Wahnsinn.

Überforderung als Eltern

Wir leben gerade in einer sehr herausfordernden und sehr oft auch überfordernden Zeit. Seit über einem Jahr steht die Welt, wie wir sie kannten, Kopf. Stattdessen herrscht Chaos, Pandemiechaos. Es zeigt sich in der Politik, es zeigt sich auf den Straßen, im Supermarkt und auch in unseren Familien. Wir alle wollen das Chaos beherrschen, jedoch gelingt es uns nicht so richtig. Je mehr wir versuchen, das Chaos zu beherrschen, umso mehr wehrt es sich und am Ende sind wir alle einfach nur noch am Ende unserer Kräfte. Unsere Lebensboote kommen nicht mehr voran. Was tun wir dann? Wir werden wütend und schimpfen auf andere oder machen uns selbst runter. Wir kommen innerlich nicht mehr zur Ruhe und werden rastlos, verlieren uns im vielen Tun. Dabei brennen wir nur noch mehr aus.

Was kann dir helfen dein Lebensboot wieder ins Weite zu bringen? Wie schaffst du es, aus dieser Überforderungsspirale auszusteigen?

1. Lass deine Verzweiflung zu!

Nur wenn du deine Gefühle der Ohnmacht, der Wut und der Enttäuschung spürst, kannst du dein Lebensboot von dem immerwährenden Versuch weiter zu kämpfen ohne voran zu kommen, befreien.

Als mein Sohn beim dritten Mal Homeschooling trotz unserer größten Bemühungen bereits am zweiten Tag tief verzweifelt war, packte mich eine riesige Wut auf die ganze Pandemiesituation. Zuvor hatte ich immer versucht, das Beste daraus zu machen und damit oftmals auch nicht so genau hingeschaut, wie sehr uns das als Familie belastet. In diesem Moment jedoch kapitulierte ich und gestand mir ein, dass es so einfach nicht weiter geht. Ich war mit meinem Latein am Ende.

2. Lass innerlich los!

Wenn du deine Gefühle zugelassen hast, ist es wichtig, dich dem Leben zu überlassen. Lass dein Lebensboot für einige Zeit die Regie übernehmen. Ruhe dich aus. Lass es geschehen. Durch Festhalten am Altbekannten wirst du nicht aus deiner Misere hinauskommen. Das Begehen neuer Wege braucht Zeit. Es geht nicht von jetzt auf gleich.

Für mich war es in meiner Wut über die Verzweiflung meines Sohnes über das Homeschooling bedeutsam, die Situation loszulassen. D.h. die Erwartung, das Lernen zu Hause den Anforderungen der Schule entsprechend zu gestalten, für eine Zeit gehen zu lassen. Egal, ob andere Eltern das leisten können, egal ob Politik und Lehrkräfte erwarten, dass das Homeschooling funktioniert, bei uns hat es nicht funktioniert und dann ist das eben so.

3. Vertraue auf dein Leben, es führt dich in die Freiheit!

Nachdem du deine Überforderung innerlich zugelassen hast, lass dein Lebensboot für dich die Arbeit machen. Vertraue darauf, dass es das Leben immer gut mit dir meint. Vertraue darauf, dass dich dein Lebensboot in Richtung Freiheit bringen wird. Stück für Stück. In deinem Tempo.

Mir fällt es immer wieder schwer, dieses Vertrauen aufzubringen und meinem Lebensboot die Führung zu überlassen. Ich habe jedoch schon so oft erlebt, dass nach einem Sturm auch wieder die Sonne hervorkommt und ich durch jeden Sturm die Möglichkeit habe, mehr in meine Freiheit zu gelangen, dass ich dem Leben unbedingt vertrauen möchte. So war es auch nach der Kapitulation mit der Homeschooling-Situation meines Sohnes. Mir wurde bewusst, dass es nicht darum geht, dass er die von der Schule gestellten Aufgaben erledigt, sondern, dass er Lesen, Schreiben und Rechnen lernt. Und wenn er das zu Hause auf andere Art und Weise lernt als in der Schule, ist das vollkommen in Ordnung. Mit dieser Einstellung war der Druck weg, es war wieder mehr Platz für neue Wege da.

4. Entdecke deine Unterstützung!

Dein Lebensboot hat Segel, die dich dabei unterstützen, dorthin zu fahren, wohin du möchtest. Nutze dein Segel, richte es so aus, dass der Wind dich weiter führt. Es darf leicht gehen.

Beim Homeschooling meines Sohnes haben wir z. B. im Umfeld nach Unterstützung gesucht. Mit der Omi oder der Patentante funktionierten die Schulaufgaben erstaunlich gut. Das wiederum gab der ganzen Situation positiven Auftrieb und bremste die negative Abwärtsspirale.

Wenn dir Wochen und Monate lang alles zu viel ist und du immer eine graue Wolke um dich herum verspürst, suche dir bitte professionelle Hilfe. Vielleicht bist du in eine Erschöpfungsdepression gerutscht. Eine Familienberatungsstelle, dein Hausarzt, deine Hausärztin oder ein Psychotherapeut, eine Psychotherapeutin können dir in diesem Fall weiter helfen. Manchmal sind wir so tief in einer Erschöpfungsspirale gefangen, dass wir es allein nicht da hinaus schaffen. Dafür sind dann professionelle Helfer wie Psychotherapeut*innen da, um einen Weg aus dieser Abwärtsspirale zu zeigen.

Welche Erfahrungen hast du mit Überforderung als Mutter oder Vater im Lockdown gemacht? Schreibe gern etwas dazu unten in die Kommentare.

Einen Erfahrungsbericht einer Mutter, die Burnout hatte, kannst du unter folgendem Link lesen:

https://www.focus.de/familie/eltern/familie-heute/fulltime-job-fuer-die-familie-corona-dauer-stress-treibt-immer-mehr-muetter-in-den-burnout_id_12886834.html

Es gibt in jeder Stadt mindestens eine Familienberatungsstelle, meist von einem der großen Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas, Diakonie, AWO etc. Familienberatungsstellen der Caritas findest du unter dem folgenden Link.

https://www.caritas.de/hilfeundberatung/ratgeber/familie/ueberforderteeltern/ehe–familien-und-lebensberatung

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