Trauer um Angehörige in der Schwangerschaft

Du bist extrem belastet, wenn du um einen geliebten Menschen trauerst und schwanger bist

Die Zähne fest zusammen beißend schrecke ich aus dem Schlaf hoch. Ich habe schlecht geträumt, denke ich im ersten Moment. Nein!!! Mein Albtraum ist kein Traum. Er ist bittere Realität. Mein Bruder lebt nicht mehr. Das zerreißende Gefühl in meiner Brust bringt die Erinnerung sofort wieder. Er ist gestorben, vollkommen unerwartet. Und ich bin noch hier mit diesem überbordenden Schmerz in mir. Gleichzeitig ist da diese süße Vorfreude in mir. Vorfreude auf das Kind in meinem Bauch. Es wächst und wächst. Die Frauenärztin meint, es ginge ihm gut. Kann es ihm wirklich gut gehen, wenn ich so viel Schmerz in mir trage? Diese Frage stelle ich mir in den letzten Wochen oft. Ich rede dem neuen Leben in mir gut zu. Sage ihm, dass der Schmerz nichts mit ihm zu tun hat. Ob es das hört? Ich hoffe es sehr.

Du leistest Schwerstarbeit, wenn du in deiner Schwangerschaft trauerst!

Deine Schwangerschaft ist anders! Vielleicht geht es dir wie mir damals und du hast diese zwei wahnsinnig intensiven Gefühle in der Brust. Diese Liebe und Vorfreude auf dein Baby und diese Trauer und den Schmerz über den Verlust deines geliebten Menschen. Eigentlich ist das zu viel Gefühl für eine Brust. Aber sie sind beide in ihrer Kraft da und kosten dich immens viel deiner Energie. Wundere dich nicht darüber. Sowohl Trauerarbeit als auch die Schwangerschaft sind Schwerstarbeit. Hole dir Unterstützung, so viel du kannst. Versuche, jeglichen Leistungsanspruch an dich zu verlieren. Lasse dich krankschreiben, wenn dir die Kraft zum Arbeiten fehlt. Lass dich nicht von deinem Umfeld irritieren, dass mit deinem Trauerprozess möglicherweise wenig anfangen kann. Es ist verdammt anstrengend zu trauern. Und es ist eine Höchstleistung, wenn du neues Leben in dir trägst. Beides zusammen genommen ist mehr als herausfordernd.

Nimm deine Ängste um dein Baby bewusst wahr!

Ich hatte damals viele Ängste um mein ungeborenes Kind. Auch als es auf der Welt war, habe ich den Kinderwagen erst nach mehr als gründlicher Überprüfung über die Straße geschoben. Deine Verlusterfahrung weckt sehr wahrscheinlich mehr Ängste um dein Kind als das bei anderen Eltern der Fall ist. Versuche, die Ängste nicht weg zu drücken. Stattdessen beobachte das Angstgefühl in dir. Wo im Körper kannst du es spüren? Ist es drückend, schwer oder heiß? Wird es mehr oder weniger, wenn du es beobachtest? Welche Gedanken kannst du erhaschen? Schreibe deine Angst-Gedanken auf. Vielleicht kannst du auch einmal ausprobieren wie du dich fühlst, wenn du stattdessen einen anderen Gedanken hast. Vielleicht fallen dir mehrere alternative Gedanken ein? Wie fühlst du dich, wenn du einen dieser alternativen Gedanken denkst? Falls sich deine Angst zur Panik ausweitet, probiere die folgenden Notfalltipps aus. Sie holen dich aus dem panischen Denken heraus, weil sie deine Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenken.

Erste-Hilfe bei Panik

  1. Zähle rückwärts von 100 oder 1000 an!
  2. Atme länger aus als ein! Du kannst z. B. einatmend langsam bis 4 zählen und ausatmend langsam bis 5 zählen.
  3. Denke dir je ein Tier für jeden Buchstaben des Alphabets aus! Also A wie Affe, B wie Biber, C wie Chamäleon.
  4. Suche dir einen starken körperlichen Reiz! Du kannst z. B. kaltes Wasser über deine Arme laufen lassen oder barfuß über Kieselsteine gehen.
  5. Berührung und Nähe beruhigen! Lass dich von einem vertrauten Menschen umarmen oder streicheln.
  6. Schreie einmal allen Schmerz in die Welt hinaus! Alternativ kannst du auch singen.

Nimm Kontakt mit deinem Baby auf und sprich über deine Gefühle

Nimm dir immer wieder Zeit, um die Freude auf dein ungeborenes Kind zu fühlen! Vielleicht hast du ein kleines Ritual mit deinem Baby im Bauch, wo du ihm ein Lied vorsingst, es durch die Bauchdecke streichelst oder sonst wie Kontakt aufnimmst. Wenn sich die Freude nicht so recht einstellen will, setzte dich damit nicht unter Druck. Beziehe dein Baby in deine Trauer und Sorgen mit ein. Erzähle ihm davon, warum du momentan keine Freude fühlen kannst. Dein ungeborenes Baby versteht zwar nicht deine genauen Worte, es empfindet aber die Emotionen, die du transportierst. Die Forschung über die pränatale (vorgeburtliche) Phase bringt immer neue Überraschungen mit sich. In dieser Phase passiert unglaublich viel in der Entwicklung des kleinen Menschen und die Bindung zu dir als Mutter beginnt da bereits.

Die Folge "Trauer und Angst: Warum wir ständig das schlimmste befürchten." aus dem Podcast "Ich bin hier & du bist tot. Der Trauerpodcast." beschäftigt sich auch mit dem Thema Angst und Trauer. Höre gerne einmal rein unter https://open.spotify.com/episode/1kBsX6fjhl7x6X0HeA0h9A?si=5a2c6603fc384a23
Wie geht oder ging es dir in deiner Schwangerschaft mit diesen beiden starken Gefühlen, der Trauer und der Freude? Oder ist die Freude bei dir vollkommen verschüttgegangen? Schreibe gern deine Erfahrungen in die Kommentare! 

Wenn ich dich in deiner Trauer einzeln oder in der Gruppe begleiten darf, kontaktiere mich gern.
Click to rate this post!
[Total: 0 Average: 0]

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.